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Mittwoch, 9. November 2016

Obedience-Beginner mit dem Num am 6.11.2016


Obedience-Beginner

Einleitung

Begleithund!
Nicht alle wissen, wie das mit dem Hundesport so funktioniert. Ist das so ein komischer Spleen und bloß irgendwas, was einige von diesen seltsamen Hundemenschen eben so machen, was aber eigentlich keinen besonderen Sinn hat? Tatsächlich. So kann man das sehen und ich wäre der letzte der das leugnen würde. Hundesport "braucht" kein Hund! Der würde prima auch ohne auskommen und auf dem Sofa herumlümmeln oder durch die Wälder stromern. Hat er ganz viel Glück, dann darf und kann er seiner Zuchtbestimmung nachkommen und beim Jäger oder Schäfer eine Aufgabe erfüllen.

Nun mag ich Hunde, die aktiv sind und nicht unbedingt faul herumliegen wollen. Außerdem mag ich gerne mit Hunden zusammen etwas machen, sie ausbilden. Das muss natürlich zu meinem Leben passen, denn ich bin weder Jäger noch Schäfer. Da bleibt dann der Hundesport! Und dieses Hobby teile ich mit meiner Frau, Nicola. Sie bildet die Hunde im Agility aus, ich dagegen im Obedience.

Obedience

Aber was ist das, dieses Obedience, fragen mich viele Menschen und ich bin dann immer ein wenig in Erklärungsnot, denn außer einer Anleihe beim Reitsport ("Agility ist wie Springreiten und Obedience, so wie Dressurreiten") fällt mir da oft nicht viel ein, um einen Anschluss an die Erfahrungswelt von Nicht-Hundesportlern zu finden. Auch mit einer Erklärung, dass es sich beim Obedience um "Unterordnung in Perfektion" handelt, können nicht wirklich viele Menschen etwas anfangen, da sie mit "Unterordnung" meist eine Art freudlose Hierarchie assoziieren. Dabei ist der Hundesport Obedience eine kooperative Tätigkeit, die man sich gemeinsam mit dem Hund in vielen Trainingstunden mit viel Spiel, Spaß und Belohnungen erarbeitet, so dass diese Freude an der Arbeit auch in der Prüfung zu sehen ist. Ein bisschen Stress ist natürlich immer bei einem Wettkampf - und das ist Obedience auch - aber damit umgehen zu lernen ist auch ein Ziel.

Statt langer Erklärungen sind bewegte Bilder vielleicht die beste Alternative zu langatmigen Texten. Darum habe ich mich entschlossen eine Obedience-Anfänger-Prüfung vorzustellen und ein bisschen zu kommentieren. Damit das keine perfekte Vorführung wird und sie auch Fehler enthält (wie sind ja alle nur Menschen bzw. Hunde), habe ich dazu eine eigene Prüfung genommen, die ich mit meinem jungen Border Collie Rüden, Num, am 6.11.2016 in Alsdorf "gelaufen" bin. Auf diese Art sieht man vielleicht, dass da zwar Training, aber keine Magie dahinter steckt. Die Magie kommt dann in den höheren Klassen dazu, aber das muss man sich dann live vor Ort ansehen. ;-)

Beginner-Klasse

Der Einstieg in das Obedience-Prüfungsleben erfolgt in der Beginner-Klasse. Die Anforderungen sind noch nicht so hoch und die Übungen nicht ganz so schwer, wie in dern höheren Klassen. Wie auch in den höheren Klassen werden die einzelnen Übungen mit Punkten zwischen 5 und 10 Punkten bewertet (oder einer "0", wenn es gar nicht geklappt hat), dann mit einem Koeffizienten für den Schweregrad einer Übung multipliziert und schließlich addiert. Insgesamt kann man dann ein Gut, ein Sehr Gut oder ein Vorzüglich als Bewertung erhalten. Bei einem V (≥256 Punkte) darf man dann in der nächsthöheren Klasse starten

Gruppenübungen

In den Gruppenübungen wird getestet, wie sich die Hunde anderen Hunden gegenüber verhalten, wie sie reagieren, wenn sie von einem fremden Menschen angefasst werden und schließlich, ob die Hunde einige Minuten ruhig abliegen können, auch wenn ihre Menschen weit entfernt stehen.

Der Num hat sich brav gegenüber anderen Hunden verhalten (9,5 Punkte) und auch das Anfassen klappte sehr gut (8 Punkte). Nur beim Abliegen hat er sich auf das Kommando meiner Nachbarin hingelegt, als die etwas lauter mit ihrem Hund wurde. Das hat uns dann auch Punkte gekostet, denn er soll natürlich nur auf mich hören (6,5 Punkte).

Freifolge

Am Anfang der Freifolge hat der Num gleich die Box (siehe "Schicken in ein Quadrat") gesehen und hat dann den Rest der Prüfung immer wieder zu ihr hingeschaut. Das ist doch seine Lieblingsübung! Also hat er in der Freifolge in den Winkeln nicht immer aufgepasst und hat ein bisschen gependelt. Im Geradeaus ist er auch einmal einen kleinen Bogen gelaufen. Natürlich Richtung Box (8,5 Punkte). 

Platz aus der Bewegung

Aus der Freifolge heraus muss der Hund sich auf Anweisung hinlegen, ohne das man - außer einem Hörzeichen - noch eine weitere Hilfe gibt. Auch hier hat der Num zur Box geschielt und sich deshalb etwas langsam und schräg (Richtung Box) hingelegt (8 Punkte).

Schicken in ein Quadrat

Ah! Endlich Nums Lieblingsübung! Rein rennen und auf Kommando hinlegen. Das liebt er (10 Punkte)!

Abrufen

Abrufen und sich in Grundstellung setzen mag er auch gerne. Er kommt aber gerne so angelaufen, dass er meinen Unterschenkel zum bremsen benutzt. Das sollte er eigentlich nicht (9,5 Punkte).

Apportieren

Ein Holz bringen, dass auf dem Boden liegt. Das ist eigentlich einfach, aber wenn man/Num die Box vor Augen hat, dann kann man das Holz nicht so ruhig halten, wie es eigentlich sein sollte. Also rollt das ein bisschen im Fang (9 Punkte).

Distanzkontrolle

Aus 5 Meter Entfernung soll er Sitz machen und nach etwa 3 Sekungen sich wieder in's Platz legen, wenn ich es ihm sage. Das war ein kleine Wackelübung und tatsächlich hat der Num sich ein kleines bisschen früh wieder gelegt (8,5 Punkte).

Schicken um einen Pylon

Oh, oh! Eigentlich auch eine Lieblingsübung vom Num. Aber doch nicht ganz so toll, wie die Box und prompt biegt er ab und rennt Richtung Box. Ich kriege ihn greade noch gestoppt und um den Pylon geschickt. Das hätte richtig schief gehen können (7 Punkte).

Gesamteindruck

Hier bewerten die Richter, wie sich das Team insgesamt verhalten hat. War das Teamarbeit? Haben sich Mensch, wie Hund gut benommen und hat man merken können, dass das Spaß machte? Unsere Leistungsrichterin, die Susanne Neu, war der Meinung, dass das bei uns so war und hat uns 10 Punkte gegeben.

Fazit

Gleich bei seiner ersten Obedience-Anfänger-Prüfung hat der Num sein Vorzüglich mit 273 Punkten erreicht und darf dann demnächst (nächstes Jahr) in der Klasse 1 starten. Das hat der kleine Border Collie ganz toll gemacht!

Nums Ergebnisse in der Beginner-Klasse (Zweiter)


Samstag, 27. September 2014

Klickertraining: Klick und ... Immer belohnen?

Zafira weiß, wie unterschiedlich Belohnungen sein können.
Als Klickertrainer saugt man es quasi mit der Muttermilch auf. Auf jeden Klick folgt immer ein primärer Verstärker. So habe ich es gelernt, so gebe ich es in meinen Kursen weiter. Aber man muss auch seine festen Überzeugungen regelmäßig hinterfragen. Stimmt das denn überhaupt, dass man immer den Klick mit einer Bestärkung/Belohnung verknüpfen soll?

Der Hintergrund, dass man das so macht, liegt in den Eigenschaften der klassischen Konditionierung. Ein (ursprünglich) neutraler Reiz wird mit einem zeitlich darauf folgenden angenehmen Reiz (der Belohnung) verknüpft und erhält so eine Stellvertreterfunktion für die eigentliche Belohnung. Wird der Klick mit vielen verschiedenen Belohnungen verknüpft, generalisiert sich der Klick in dieser Funktion und wird unabhängig von einer bestimmten Bedürfnislage des Hundes. Dann wirkt der Klick auch bei einem nicht besonders hungrigen Hund, dem mehr der Sinn nach Spielen oder Laufen steht.

Auf den Beipackzetteln der ersten Klicker, die es vor Jahren zu kaufen gab, stand der Hinweis, man könne mit der Zeit die Belohnungen abbauen und es würde ausreichen, wenn man nur noch klickt. Das funktioniert so allerdings nicht, weil mit der Zeit der Klick-Ton seine Bedeutung verliert, etwas Gutes anzukündigen. Eine Zeit lang reagiert der Hund natürlich noch auf den Klick, aber die Reaktion wird schwächer und verzögert sich immer mehr. Darum lautet also die Regel: Klick UND Belohnen! Was man stattdessen macht, ist die Kriterien anzuheben. Es wird eben nicht jedes mal geklickt, sondern nur für die besseren Versuche.

Bob Bailey
Aber bereits wenn man Bob Bailey zuhört, lernt man, dass diese Faustregel eben genau das ist: Nur eine Faustregel. Bob Bailey wird nicht müde zu betonen, dass im Tiertraining wir auf den Schultern Pawlows sitzen und der primäre Verstärker eben immer noch die primäre Quelle der Verhaltensverstärkung ist. Trainiert man sehr komplexe Verhaltensweisen, bei denen es auf ein hohes Maß von Exaktheit ankommt, so empfiehlt Bailey bei einem Fehler, wenn man fälschlich klickt, nicht den primären Verstärker zu geben, weil es den Fehler schlimmer machen kann.

Aus eigenem Erleben weiß ich, dass es Situationen gibt, in denen ein einziger Fehlklick einen Trainingsaufbau um einige Zeit zurückwerfen kann. Womit einer anderen weit verbreiteten Faustregel des Klickertrainings widersprochen werden kann, nämlich der, dass das Klickertraining völlig fehlertolerant sei. Das ist es nur im Aufbau und bei hinreichend unklar definiertem Zielverhalten. Je präziser ein bestimmtes Verhalten sein soll, desto wichtiger ist exaktes Markieren, des richtigen Verhaltens. Mit den Worten Baileys: "You get, what you click!", man kriegt, was man klickt und wenn man schlecht klickt, kriegt man schlechtes bzw. unerwünschtes Verhalten.

Die wissenschaftliche Theorie hinter der operanten und klassischen Konditionierung hat nun einige Jahre auf dem Buckel. Ihr Ansatz, das Tier lediglich als black-box zu betrachten und nur Ein- und Ausgabe zu messen, war einmal sehr wichtig, um das "vermenscheln" des Tieres zu verhindern. Es gab keine adäquate Methode "in die Köpfe" der Tiere zu schauen. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert. Die Neurowissenschaften gestatten es mittlerweile einen anderen Blick auf das emotionale Geschehen beim Training zu werfen und man hat wissenschaftlich verstehen gelernt, was Praktiker ohnehin wussten, dass es im Tiertraining durchaus auch auf mehr ankommt, als nur die Rate der Belohnungen.

Einer der führenden Forscher auf diesem Gebiet war der inzwischen emeritierte Jaak Panksepp. Im gelang es verschiedene Basisemotionen zu identifizieren, die alle Tiere teilen: Suche, Furcht, Wut und Panik. Insbesondere die "Suche" ist eine Eigenschaft von Lebewesen, die für das Training interessant ist. Sie lässt das Tier nach primären Verstärkern suchen. Die Belohnung wird aktiv angestrebt und je stärker das Tier bereit und aktiv ist, desto besser kann man mit dem Tier trainieren. Solche Tiere sind motiviert zu trainieren, sie wollen trainieren und beteiligen sich mit Begeisterung. Solche motivierten Tiere darf man auch gar nicht zu viel klicken. Das wäre, als würde man sie ständig auf Kindergartenniveau belohnen, obwohl sie eigentlich schon auf dem Weg zum Abitur oder gar Universitätsabschluss sind. Für Pipifax will man selbst doch auch nicht gelobt werden, oder?

Und damit haben wir noch einen Punkt gefunden, bei dem es eben auch egal sein kann, ob man tatsächlich nach dem Klick belohnt. Wenn der Hund so hoch motiviert ist und im "Suchmodus" trainiert, dann reicht vielleicht der Klick und weiterarbeiten und -suchen zu dürfen ist die größere Belohnung, als irgendein doofer Keks. Dessen sollte man sich als Trainer bewusst sein und dem Hund nicht unbedingt eine Belohnung aufzwingen. Letztlich entscheidet immer der Hund, was er als Belohnung empfindet und nicht, was man als Mensch meint, was ihn belohnt.

Für die, die trotzdem Faustregeln haben möchten und tatsächlich ist an Faustregeln ja nichts Schlimmes, wenn man sie nicht für der Weisheit letzter Schluss hält, dann kann man sich folgende Regeln überlegen:
  • Klicke und Belohne immer, wenn Dein Hund alles richtig gemacht hat und er eine Belohnung will.
  • Erhöhe lieber die Kriterien, als ständig das das selbe schon gekonnte Verhalten zu markieren.
  • Achte auf Deinen Hund: Will er ein Leckerchen? Will er spielen? Will er weiterarbeiten?
Hier noch ein Zitat aus einem Artikel von Patricia McConnell, dessen Lektüre der Anlass für diesen Post war:

Experimental research suggests that it is “seeking” rather than “liking” that best motivates an individual to learn. For example, Gadbois mentioned one of Panksepp’s studies in which cats were always given a reward when they touched one object, but only occasionally when they touched a second object. Guess which object the cats touched most? You got it, the second one. That is why Gadbois argues that clicker trainers should not give a treat every time they click. This all makes great sense to me until I think of chocolate, which I would much rather eat than anticipate eating, thank you very much.

Sonntag, 10. Juni 2012

Ist das im Training reproduzierbar?

Um überhaupt eine Chance zu haben, an diesen Problemen zu arbeiten, müssen sie reproduzierbar sein. "Zum Glück" zeigt Klara auch einiges davon im Training. Sowohl das Vorwegnehmen, wie auch die zögerliche Reaktion kommt im Training vor. Meines Erachtens ist das Zögern das Verhalten mit dem größten negativen Effekt in der Prüfung, da es sich potenziert: Zögern macht unsicher; Unsicherheit lässt Zögern.

Starten möchte ich mit einem einfacherem Aufbau, um die Belohnungsfrequenz hoch zu bekommen. Dazu lasse ich die Apportierhölzer weg und verwende nur noch Boden-Targets an den korrekten Stellen. Die Abstände müssen nicht notwendig von Anfang schon die Prüfungsdistanz (11,20m) haben, wichtig erscheint mir aber, dass der Winkel stimmt. Die Übung beginnt auf einem Warte-Target (einer Fußmatte) hinter einem Hütchen. Von dort aus werde ich Klara zu den Targets schicken, die Ankunft bei den Boden-Targets markieren (Klick) und auf der Matte bestärken. Gelegentlich wird auch ein Spielzeug oder der Futterbeutel fliegen.

Am Warte-Target soll Klara auf mein Zeichen schnell reagieren. Die Latenzzeit muss fast Null sein. Erst wenn das gegeben ist, können die anderen Kriterien gesteigert werden. Dazu gehört die Distanz und - ganz wichtig! - das die Boden-Targets irgendwann vom Warte-Target aus nicht mehr zu sehen sind. Klara verlässt sich sehr auf ihre Sicht und wenn sie die Hölzer nicht sofort sieht, zögert sie und sucht. Folglich muss sie lernen, gleich loszulaufen, den richtigen Winkel zu nehmen und sich dabei eben nicht auf ihre Augen zu verlassen.

Montag, 28. Mai 2012

Das "Problem" im Video

Hier ein Video, auf dem man sehen kann, was uns die Punkte in der Prüfung kostet. Ich zeige das 'mal anhand des misslungenen Richtungsapport (Internationale Obedience Klasse 2). Klara ist nicht auf die Übung fokussiert und mit dem Kopf ganz woanders. Das Video zeigt, dass es (mindestens) folgende Schwächen gibt:
  1. Unkonzentrierte Fußarbeit
  2. Vorwegnehmen des Steh an der Pylone
  3. Zögern beim Hörzeichen zum Apport.
  4. Abbremsen beim Zurückkommen, inklusive Fallenlassen des Apportels

Die Übung wurde noch mit 5 Punkten gewertet.

Samstag, 26. Mai 2012

Obedience mit Klara. Eine Neuorientierung

Das letzte Jahr lief hundesportlich nicht so, wie von mir geplant. Mit Klara sitze ich in der Klasse 2 fest. Zwar waren wir im letzten Jahr 'mal dicht 'dran ein "V" (vorzüglich) und damit den Aufstieg zu erreichen, aber dann wurde es immer schlechter und im Herbst in Lübeck war Klara ziemlich von der Rolle. Das hat sich bei den Prüfungen in diesem Jahr vorgesetzt, so dass ich da erst 'mal grundsätzlich nachdenken muss.

Dabei ist da Problem gar nicht so sehr, dass Klara die Übungen nicht kann. Da gibt es - natürlich - auch noch Schwächen, aber im Kern ist das Problem ein anderes: Klara ist bei den Prüfungen mit dem Kopf nicht bei der Sache und so werden für sie Umweltreize interessanter, was sich natürlich nicht für eine akzeptable Leistung förderlich ist.

Den nächsten Start wird es erst wieder im Herbst geben. Bis dahin werde ich 'mal testen, ob man an so etwas arbeiten kann, wie der "Einstellung" des Hundes zur Prüfung. Ich bin gespannt, wie es laufen wird.

Obedience PO 2022: Positionen aus der Bewegung innerhalb der Freifolge

Einleitung Letztens hatte ich mich schon mal mit der neuen Übung "Positionen aus der Bewegung" (PadB) der Klasse 3 beschäftigt. ...