Es gab eine Zeit, da gehörte der Klicker noch nicht zum Standard in der Hundeausbildung. Man kannte ihn (bzw. eine Pfeife) vielleicht von der Ausbildung von Meeressäugertieren aus den diversen amerikanischen Delphinarien. Assoziert war er also höchstens als Gerät für Tricks und niedliche Verhaltensweisen, die ohne tiefere Bedeutung dem Tier "auftrainiert" wurden.
Ab den 1980' er Jahren wurde die operatante Konditionierung immer mehr thematisiert. Zunächst nur in den USA, aber Stück für Stück schwappte die Welle dann auch nach Deutschland und kurz vor der Jahrtausendwende wurde der Klicker auch hier ausprobiert, getestet und angewendet. Der Einsatz von Klicker & Co wurde in immer mehr Bereichen diskutiert und die einzelnen Vorgehensweisen immer detaillierter beschrieben.
Zu den Pionieren des Klickers im deutschsprachigen Raum gehört Martin Pietralla, der quasi im Selbstversuch die Anwendbarkeit des Klickers bei Hunden auslotete und in vielen Artikeln, Büchern, Workshops, Seminaren und vor allem durch seine Beteiligung an spannenden Diskussion in Internet-Foren, den Vorläufern von Facebook und anderen sozialen Medien, zu einer Popularisierung des operanten Lernens und Lehrens beitrug.
An Martin hat mir immer gefallen, dass er weder bestimmte Seiten des operanten Konditionieens ausgeblendet hat, noch die Verhaltensbiologie über Bord geschmissen hat. Neben Skinner, Karen Pryor, den Baileys und Gary Wilkes waren für ihn auch Lorenz und Trumler Lehrmeister.
In seinen Geschichten und Beispielen, mit denen er erläuterte, welche Wege und - ja - auch Fallen es beim Klickern gibt, spielten seine Hunde und die Hunde, die er im Tierheim betreuen konnte, eine prominente Rolle. Einer dieser Hunde war Viktor, ein rotbrauner Schäferhundmix, der sowohl im Klassiker "Clickertraining für Hunde", als auch in "Mein Clickertraining" auftaucht. Viktor hatte gebissen und war im Tierheim gelandet.
Nun hat Martin über seine Webseite eine Reihe von Videos veröffentlicht, in denen er Erfahrung mit Viktor und dem Bewachen des Bringholzes dokumentiert. Diese Videos möchte ich hier gerne weitergeben. Ich glaube, dass sie, trotz ihres Alters, noch heute interessant sind und zeigen, dass der Klicker ein Kommunikationsmittel sein kann, dass eine Verständigung zwischen zwei Lebewesen möglich macht, die nicht durch eine lange gemeinsame Geschichte miteinander verbunden sind und vielleicht bei einem anderen offensiveren Vorgehen in Abgründe gefallen wären. Mein Dank an Martin, dass er stehts so freigiebig war, andere an seinen Experimenten, Versuchen und Erkenntnissen teilhaben zu lassen. Auch damit hat er viel bewegt.
Zafira weiß, wie unterschiedlich Belohnungen sein können.
Als
Klickertrainer saugt man es quasi mit der Muttermilch auf. Auf jeden
Klick folgt immer ein primärer Verstärker. So habe ich es gelernt, so
gebe ich es in meinen Kursen weiter. Aber man muss auch seine festen
Überzeugungen regelmäßig hinterfragen. Stimmt das denn überhaupt, dass
man immer den Klick mit einer Bestärkung/Belohnung verknüpfen soll?
Der
Hintergrund, dass man das so macht, liegt in den Eigenschaften der
klassischen Konditionierung. Ein (ursprünglich) neutraler Reiz wird mit
einem zeitlich darauf folgenden angenehmen Reiz (der Belohnung)
verknüpft und erhält so eine Stellvertreterfunktion für die eigentliche
Belohnung. Wird der Klick mit vielen verschiedenen Belohnungen
verknüpft, generalisiert sich der Klick in dieser Funktion und wird
unabhängig von einer bestimmten Bedürfnislage des Hundes. Dann wirkt der Klick auch bei einem nicht besonders hungrigen Hund, dem mehr der Sinn nach Spielen oder Laufen steht.
Auf den Beipackzetteln der ersten Klicker, die es vor Jahren zu kaufen gab, stand der Hinweis, man könne mit der Zeit die Belohnungen abbauen und es würde ausreichen, wenn man nur noch klickt. Das funktioniert so allerdings nicht, weil mit der Zeit der Klick-Ton seine Bedeutung verliert, etwas Gutes anzukündigen. Eine Zeit lang reagiert der Hund natürlich noch auf den Klick, aber die Reaktion wird schwächer und verzögert sich immer mehr. Darum lautet also die Regel: Klick UND Belohnen! Was man stattdessen macht, ist die Kriterien anzuheben. Es wird eben nicht jedes mal geklickt, sondern nur für die besseren Versuche.
Bob Bailey
Aber bereits wenn man Bob Bailey zuhört, lernt man, dass diese Faustregel eben genau das ist: Nur eine Faustregel. Bob Bailey wird nicht müde zu betonen, dass im Tiertraining wir auf den Schultern Pawlows sitzen und der primäre Verstärker eben immer noch die primäre Quelle der Verhaltensverstärkung ist. Trainiert man sehr komplexe Verhaltensweisen, bei denen es auf ein hohes Maß von Exaktheit ankommt, so empfiehlt Bailey bei einem Fehler, wenn man fälschlich klickt, nicht den primären Verstärker zu geben, weil es den Fehler schlimmer machen kann.
Aus eigenem Erleben weiß ich, dass es Situationen gibt, in denen ein einziger Fehlklick einen Trainingsaufbau um einige Zeit zurückwerfen kann. Womit einer anderen weit verbreiteten Faustregel des Klickertrainings widersprochen werden kann, nämlich der, dass das Klickertraining völlig fehlertolerant sei. Das ist es nur im Aufbau und bei hinreichend unklar definiertem Zielverhalten. Je präziser ein bestimmtes Verhalten sein soll, desto wichtiger ist exaktes Markieren, des richtigen Verhaltens. Mit den Worten Baileys: "You get, what you click!", man kriegt, was man klickt und wenn man schlecht klickt, kriegt man schlechtes bzw. unerwünschtes Verhalten.
Die wissenschaftliche Theorie hinter der operanten und klassischen Konditionierung hat nun einige Jahre auf dem Buckel. Ihr Ansatz, das Tier lediglich als black-box zu betrachten und nur Ein- und Ausgabe zu messen, war einmal sehr wichtig, um das "vermenscheln" des Tieres zu verhindern. Es gab keine adäquate Methode "in die Köpfe" der Tiere zu schauen. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert. Die Neurowissenschaften gestatten es mittlerweile einen anderen Blick auf das emotionale Geschehen beim Training zu werfen und man hat wissenschaftlich verstehen gelernt, was Praktiker ohnehin wussten, dass es im Tiertraining durchaus auch auf mehr ankommt, als nur die Rate der Belohnungen.
Einer der führenden Forscher auf diesem Gebiet war der inzwischen emeritierte Jaak Panksepp. Im gelang es verschiedene Basisemotionen zu identifizieren, die alle Tiere teilen: Suche, Furcht, Wut und Panik. Insbesondere die "Suche" ist eine Eigenschaft von Lebewesen, die für das Training interessant ist. Sie lässt das Tier nach primären Verstärkern suchen. Die Belohnung wird aktiv angestrebt und je stärker das Tier bereit und aktiv ist, desto besser kann man mit dem Tier trainieren. Solche Tiere sind motiviert zu trainieren, sie wollen trainieren und beteiligen sich mit Begeisterung. Solche motivierten Tiere darf man auch gar nicht zu viel klicken. Das wäre, als würde man sie ständig auf Kindergartenniveau belohnen, obwohl sie eigentlich schon auf dem Weg zum Abitur oder gar Universitätsabschluss sind. Für Pipifax will man selbst doch auch nicht gelobt werden, oder?
Und damit haben wir noch einen Punkt gefunden, bei dem es eben auch egal sein kann, ob man tatsächlich nach dem Klick belohnt. Wenn der Hund so hoch motiviert ist und im "Suchmodus" trainiert, dann reicht vielleicht der Klick und weiterarbeiten und -suchen zu dürfen ist die größere Belohnung, als irgendein doofer Keks. Dessen sollte man sich als Trainer bewusst sein und dem Hund nicht unbedingt eine Belohnung aufzwingen. Letztlich entscheidet immer der Hund, was er als Belohnung empfindet und nicht, was man als Mensch meint, was ihn belohnt.
Für die, die trotzdem Faustregeln haben möchten und tatsächlich ist an Faustregeln ja nichts Schlimmes, wenn man sie nicht für der Weisheit letzter Schluss hält, dann kann man sich folgende Regeln überlegen:
Klicke und Belohne immer, wenn Dein Hund alles richtig gemacht hat und er eine Belohnung will.
Erhöhe lieber die Kriterien, als ständig das das selbe schon gekonnte Verhalten zu markieren.
Achte auf Deinen Hund: Will er ein Leckerchen? Will er spielen? Will er weiterarbeiten?
Hier noch ein Zitat aus einem Artikel von Patricia McConnell, dessen Lektüre der Anlass für diesen Post war:
Experimental research suggests that it is “seeking” rather than “liking” that best motivates an individual to learn. For example, Gadbois mentioned one of Panksepp’s studies in which cats were always given a reward when they touched one object, but only occasionally when they touched a second object. Guess which object the cats touched most? You got it, the second one. That is why Gadbois argues that clicker trainers should not give a treat every time they click. This all makes great sense to me until I think of chocolate, which I would much rather eat than anticipate eating, thank you very much.
Das letzte Jahr lief hundesportlich nicht so, wie von mir geplant. Mit Klara sitze ich in der Klasse 2 fest. Zwar waren wir im letzten Jahr 'mal dicht 'dran ein "V" (vorzüglich) und damit den Aufstieg zu erreichen, aber dann wurde es immer schlechter und im Herbst in Lübeck war Klara ziemlich von der Rolle. Das hat sich bei den Prüfungen in diesem Jahr vorgesetzt, so dass ich da erst 'mal grundsätzlich nachdenken muss.
Dabei ist da Problem gar nicht so sehr, dass Klara die Übungen nicht kann. Da gibt es - natürlich - auch noch Schwächen, aber im Kern ist das Problem ein anderes: Klara ist bei den Prüfungen mit dem Kopf nicht bei der Sache und so werden für sie Umweltreize interessanter, was sich natürlich nicht für eine akzeptable Leistung förderlich ist.
Den nächsten Start wird es erst wieder im Herbst geben. Bis dahin werde ich 'mal testen, ob man an so etwas arbeiten kann, wie der "Einstellung" des Hundes zur Prüfung. Ich bin gespannt, wie es laufen wird.
Am Wochenende haben Nicola und ich uns ein Seminar bei Nina (Miodragovic) gegönnt. Dank Dianas und Christinas Organisationstalent :D konnte Nina noch so gerade passend einfliegen, auch wenn sich diverse Vulkane darin versuchten, dass alles zu verhindern. Diese Probleme waren aber schnell vergessen, weil Hamburg und Umgebung sich von der besten Seite zeigten und wir an beiden Tagen strahlenden Sonnenschein hatten.
Zum Seminar konnten die Teilnehmer mit Hund die Themen "frei nach Wunsch" bestimmen, wobei Nina die Wünsche natürlich vorher mitgeteilt wurden. Trotzdem kannte sie ja die Hunde nicht und wir wissen es ja aus der Forenwelt, wie unklar manche Beschreibungen sind, weshalb ich es um so faszinierender finde, dass sich in der konkreten Arbeit für jedes der einzelnen Teams eigentlich immer ein Weg für die weitere "Heimarbeit" ergab.
Als Voraussetzung verlangte Nina von den Teams eigentlich nur, dass die Hunde geübte Freiformer sind und es auch schon schon 'mal vertragen, wenn ein Klick ausbleibt. Weil es in der Einladung stand, hatte ich auch noch extra versucht einen "Trick" einzuüben, obwohl ich da sonst doch eher etwas nachlässig bin. Klara hat mich da aber unterstützt und so hätten wir durchaus auch ein "Einräumen" zeigen können. Aber das wollte Nina dann doch nicht sehen und hat stattdessen einfach nur den Klicker in die Hand genommen und uns Menschen, die wir gerade mit unserem Hund dran waren, aufgefordert, den Hunden das Signal für das free-shaping zu geben, um dann aber selbst zu klicken, während wir dann das Futter gegeben haben. Auch da hat Klara gezeigt, dass sie frei formen kann, auch wenn wir eigentlich keine Tricks beherrschen und durften dann auch so weiter mitmachen.
Nun bin ich ja eigentlich kein Frischling mehr und doch habe ich mich dann gleich bei einem typischen Anfängerfehler erwischen lassen. Weil Klara natürlich erstmal alles abrüsseln musste, habe ich sie natürlich ganz amateurhaft nur mit ihrem Namen, und dann auch noch wiederholt, gerufen. Den Ruf "Klara!" habe ich da als Allzweckputzmittel (laut Nina) für jede Gelegenheit benutzt.
Gearbeitet haben wir dann natürlich auch noch (irgendwann begreife selbst ich, dass man nicht nur Geräusche machen muss, damit der Hund ahnt, was man von ihm will) und so konnte ich am Abrufen mit Steh, den Wendungen und Winkeln, sowie an Sitz und Platz aus der Bewegung arbeiten. Dabei hat Nina sehr klar gemacht, dass ein erfolgreiches Obedience-Training eigentlich nur gelingen kann, wenn man im Team mit Trainingspartnern arbeitet, weil sich sonst einfach zu viele Fehler unbewusst einschleichen. Auch dafür war ich ein gutes Beispiel. ;)
Zwischen den Trainingseinheiten mit Hund, gab es auch Theoriestunden, in denen wir einzelne Beispiele von Trainingsproblemen besprochen haben und auch den Aufbau von bestimmten Übungen, in Abhängigkeit von Besonderheiten der einzelnen Hunde. Distanzkontrolle, Geruchsunterscheidung und anderes konnten wir so besprechen und die verschiedene Möglichkeiten des Aufbaus sehen.
Mir persönlich hat es auch Spaß gemacht die anderen Teams zu sehen. Da waren einige wirklich klasse zusammenarbeitende Teams (*) dabei! Mitgenommen habe ich zudem viele Ideen für das eigene Training, aber auch jede Menge Anregungen für meine Gruppen.
Ganz besonders bemerkenswert für mich war, dass es kein Widerspruch ist, wenn man ehrgeizige Ziele mit seinem Hund verfolgt und wirklich an Details für ein Prüfungsniveau der höheren Klassen arbeitet und der Freude die man dabei trotzdem mit seinem Hund haben kann (und muss!). Es gibt da den fließenden Übergang von Spiel zu Sport zu Arbeit, der eigentlich in jeder dieser Kategorien für Mensch, wie Hund befriedigend sein sollte, auch wenn vielleicht die Ernsthaftigkeit in der Reihe zunimmt. Wie das funktionieren kann, hat Nina vermittelt.
(*) Wenn's innteressiert: Ich war der einzige Mann dabei.