Mittwoch, 9. November 2016

Obedience-Beginner mit dem Num am 6.11.2016


Obedience-Beginner

Einleitung

Begleithund!
Nicht alle wissen, wie das mit dem Hundesport so funktioniert. Ist das so ein komischer Spleen und bloß irgendwas, was einige von diesen seltsamen Hundemenschen eben so machen, was aber eigentlich keinen besonderen Sinn hat? Tatsächlich. So kann man das sehen und ich wäre der letzte der das leugnen würde. Hundesport "braucht" kein Hund! Der würde prima auch ohne auskommen und auf dem Sofa herumlümmeln oder durch die Wälder stromern. Hat er ganz viel Glück, dann darf und kann er seiner Zuchtbestimmung nachkommen und beim Jäger oder Schäfer eine Aufgabe erfüllen.

Nun mag ich Hunde, die aktiv sind und nicht unbedingt faul herumliegen wollen. Außerdem mag ich gerne mit Hunden zusammen etwas machen, sie ausbilden. Das muss natürlich zu meinem Leben passen, denn ich bin weder Jäger noch Schäfer. Da bleibt dann der Hundesport! Und dieses Hobby teile ich mit meiner Frau, Nicola. Sie bildet die Hunde im Agility aus, ich dagegen im Obedience.

Obedience

Aber was ist das, dieses Obedience, fragen mich viele Menschen und ich bin dann immer ein wenig in Erklärungsnot, denn außer einer Anleihe beim Reitsport ("Agility ist wie Springreiten und Obedience, so wie Dressurreiten") fällt mir da oft nicht viel ein, um einen Anschluss an die Erfahrungswelt von Nicht-Hundesportlern zu finden. Auch mit einer Erklärung, dass es sich beim Obedience um "Unterordnung in Perfektion" handelt, können nicht wirklich viele Menschen etwas anfangen, da sie mit "Unterordnung" meist eine Art freudlose Hierarchie assoziieren. Dabei ist der Hundesport Obedience eine kooperative Tätigkeit, die man sich gemeinsam mit dem Hund in vielen Trainingstunden mit viel Spiel, Spaß und Belohnungen erarbeitet, so dass diese Freude an der Arbeit auch in der Prüfung zu sehen ist. Ein bisschen Stress ist natürlich immer bei einem Wettkampf - und das ist Obedience auch - aber damit umgehen zu lernen ist auch ein Ziel.

Statt langer Erklärungen sind bewegte Bilder vielleicht die beste Alternative zu langatmigen Texten. Darum habe ich mich entschlossen eine Obedience-Anfänger-Prüfung vorzustellen und ein bisschen zu kommentieren. Damit das keine perfekte Vorführung wird und sie auch Fehler enthält (wie sind ja alle nur Menschen bzw. Hunde), habe ich dazu eine eigene Prüfung genommen, die ich mit meinem jungen Border Collie Rüden, Num, am 6.11.2016 in Alsdorf "gelaufen" bin. Auf diese Art sieht man vielleicht, dass da zwar Training, aber keine Magie dahinter steckt. Die Magie kommt dann in den höheren Klassen dazu, aber das muss man sich dann live vor Ort ansehen. ;-)

Beginner-Klasse

Der Einstieg in das Obedience-Prüfungsleben erfolgt in der Beginner-Klasse. Die Anforderungen sind noch nicht so hoch und die Übungen nicht ganz so schwer, wie in dern höheren Klassen. Wie auch in den höheren Klassen werden die einzelnen Übungen mit Punkten zwischen 5 und 10 Punkten bewertet (oder einer "0", wenn es gar nicht geklappt hat), dann mit einem Koeffizienten für den Schweregrad einer Übung multipliziert und schließlich addiert. Insgesamt kann man dann ein Gut, ein Sehr Gut oder ein Vorzüglich als Bewertung erhalten. Bei einem V (≥256 Punkte) darf man dann in der nächsthöheren Klasse starten

Gruppenübungen

In den Gruppenübungen wird getestet, wie sich die Hunde anderen Hunden gegenüber verhalten, wie sie reagieren, wenn sie von einem fremden Menschen angefasst werden und schließlich, ob die Hunde einige Minuten ruhig abliegen können, auch wenn ihre Menschen weit entfernt stehen.

Der Num hat sich brav gegenüber anderen Hunden verhalten (9,5 Punkte) und auch das Anfassen klappte sehr gut (8 Punkte). Nur beim Abliegen hat er sich auf das Kommando meiner Nachbarin hingelegt, als die etwas lauter mit ihrem Hund wurde. Das hat uns dann auch Punkte gekostet, denn er soll natürlich nur auf mich hören (6,5 Punkte).

Freifolge

Am Anfang der Freifolge hat der Num gleich die Box (siehe "Schicken in ein Quadrat") gesehen und hat dann den Rest der Prüfung immer wieder zu ihr hingeschaut. Das ist doch seine Lieblingsübung! Also hat er in der Freifolge in den Winkeln nicht immer aufgepasst und hat ein bisschen gependelt. Im Geradeaus ist er auch einmal einen kleinen Bogen gelaufen. Natürlich Richtung Box (8,5 Punkte). 

Platz aus der Bewegung

Aus der Freifolge heraus muss der Hund sich auf Anweisung hinlegen, ohne das man - außer einem Hörzeichen - noch eine weitere Hilfe gibt. Auch hier hat der Num zur Box geschielt und sich deshalb etwas langsam und schräg (Richtung Box) hingelegt (8 Punkte).

Schicken in ein Quadrat

Ah! Endlich Nums Lieblingsübung! Rein rennen und auf Kommando hinlegen. Das liebt er (10 Punkte)!

Abrufen

Abrufen und sich in Grundstellung setzen mag er auch gerne. Er kommt aber gerne so angelaufen, dass er meinen Unterschenkel zum bremsen benutzt. Das sollte er eigentlich nicht (9,5 Punkte).

Apportieren

Ein Holz bringen, dass auf dem Boden liegt. Das ist eigentlich einfach, aber wenn man/Num die Box vor Augen hat, dann kann man das Holz nicht so ruhig halten, wie es eigentlich sein sollte. Also rollt das ein bisschen im Fang (9 Punkte).

Distanzkontrolle

Aus 5 Meter Entfernung soll er Sitz machen und nach etwa 3 Sekungen sich wieder in's Platz legen, wenn ich es ihm sage. Das war ein kleine Wackelübung und tatsächlich hat der Num sich ein kleines bisschen früh wieder gelegt (8,5 Punkte).

Schicken um einen Pylon

Oh, oh! Eigentlich auch eine Lieblingsübung vom Num. Aber doch nicht ganz so toll, wie die Box und prompt biegt er ab und rennt Richtung Box. Ich kriege ihn greade noch gestoppt und um den Pylon geschickt. Das hätte richtig schief gehen können (7 Punkte).

Gesamteindruck

Hier bewerten die Richter, wie sich das Team insgesamt verhalten hat. War das Teamarbeit? Haben sich Mensch, wie Hund gut benommen und hat man merken können, dass das Spaß machte? Unsere Leistungsrichterin, die Susanne Neu, war der Meinung, dass das bei uns so war und hat uns 10 Punkte gegeben.

Fazit

Gleich bei seiner ersten Obedience-Anfänger-Prüfung hat der Num sein Vorzüglich mit 273 Punkten erreicht und darf dann demnächst (nächstes Jahr) in der Klasse 1 starten. Das hat der kleine Border Collie ganz toll gemacht!

Nums Ergebnisse in der Beginner-Klasse (Zweiter)


Samstag, 27. September 2014

Klickertraining: Klick und ... Immer belohnen?

Zafira weiß, wie unterschiedlich Belohnungen sein können.
Als Klickertrainer saugt man es quasi mit der Muttermilch auf. Auf jeden Klick folgt immer ein primärer Verstärker. So habe ich es gelernt, so gebe ich es in meinen Kursen weiter. Aber man muss auch seine festen Überzeugungen regelmäßig hinterfragen. Stimmt das denn überhaupt, dass man immer den Klick mit einer Bestärkung/Belohnung verknüpfen soll?

Der Hintergrund, dass man das so macht, liegt in den Eigenschaften der klassischen Konditionierung. Ein (ursprünglich) neutraler Reiz wird mit einem zeitlich darauf folgenden angenehmen Reiz (der Belohnung) verknüpft und erhält so eine Stellvertreterfunktion für die eigentliche Belohnung. Wird der Klick mit vielen verschiedenen Belohnungen verknüpft, generalisiert sich der Klick in dieser Funktion und wird unabhängig von einer bestimmten Bedürfnislage des Hundes. Dann wirkt der Klick auch bei einem nicht besonders hungrigen Hund, dem mehr der Sinn nach Spielen oder Laufen steht.

Auf den Beipackzetteln der ersten Klicker, die es vor Jahren zu kaufen gab, stand der Hinweis, man könne mit der Zeit die Belohnungen abbauen und es würde ausreichen, wenn man nur noch klickt. Das funktioniert so allerdings nicht, weil mit der Zeit der Klick-Ton seine Bedeutung verliert, etwas Gutes anzukündigen. Eine Zeit lang reagiert der Hund natürlich noch auf den Klick, aber die Reaktion wird schwächer und verzögert sich immer mehr. Darum lautet also die Regel: Klick UND Belohnen! Was man stattdessen macht, ist die Kriterien anzuheben. Es wird eben nicht jedes mal geklickt, sondern nur für die besseren Versuche.

Bob Bailey
Aber bereits wenn man Bob Bailey zuhört, lernt man, dass diese Faustregel eben genau das ist: Nur eine Faustregel. Bob Bailey wird nicht müde zu betonen, dass im Tiertraining wir auf den Schultern Pawlows sitzen und der primäre Verstärker eben immer noch die primäre Quelle der Verhaltensverstärkung ist. Trainiert man sehr komplexe Verhaltensweisen, bei denen es auf ein hohes Maß von Exaktheit ankommt, so empfiehlt Bailey bei einem Fehler, wenn man fälschlich klickt, nicht den primären Verstärker zu geben, weil es den Fehler schlimmer machen kann.

Aus eigenem Erleben weiß ich, dass es Situationen gibt, in denen ein einziger Fehlklick einen Trainingsaufbau um einige Zeit zurückwerfen kann. Womit einer anderen weit verbreiteten Faustregel des Klickertrainings widersprochen werden kann, nämlich der, dass das Klickertraining völlig fehlertolerant sei. Das ist es nur im Aufbau und bei hinreichend unklar definiertem Zielverhalten. Je präziser ein bestimmtes Verhalten sein soll, desto wichtiger ist exaktes Markieren, des richtigen Verhaltens. Mit den Worten Baileys: "You get, what you click!", man kriegt, was man klickt und wenn man schlecht klickt, kriegt man schlechtes bzw. unerwünschtes Verhalten.

Die wissenschaftliche Theorie hinter der operanten und klassischen Konditionierung hat nun einige Jahre auf dem Buckel. Ihr Ansatz, das Tier lediglich als black-box zu betrachten und nur Ein- und Ausgabe zu messen, war einmal sehr wichtig, um das "vermenscheln" des Tieres zu verhindern. Es gab keine adäquate Methode "in die Köpfe" der Tiere zu schauen. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert. Die Neurowissenschaften gestatten es mittlerweile einen anderen Blick auf das emotionale Geschehen beim Training zu werfen und man hat wissenschaftlich verstehen gelernt, was Praktiker ohnehin wussten, dass es im Tiertraining durchaus auch auf mehr ankommt, als nur die Rate der Belohnungen.

Einer der führenden Forscher auf diesem Gebiet war der inzwischen emeritierte Jaak Panksepp. Im gelang es verschiedene Basisemotionen zu identifizieren, die alle Tiere teilen: Suche, Furcht, Wut und Panik. Insbesondere die "Suche" ist eine Eigenschaft von Lebewesen, die für das Training interessant ist. Sie lässt das Tier nach primären Verstärkern suchen. Die Belohnung wird aktiv angestrebt und je stärker das Tier bereit und aktiv ist, desto besser kann man mit dem Tier trainieren. Solche Tiere sind motiviert zu trainieren, sie wollen trainieren und beteiligen sich mit Begeisterung. Solche motivierten Tiere darf man auch gar nicht zu viel klicken. Das wäre, als würde man sie ständig auf Kindergartenniveau belohnen, obwohl sie eigentlich schon auf dem Weg zum Abitur oder gar Universitätsabschluss sind. Für Pipifax will man selbst doch auch nicht gelobt werden, oder?

Und damit haben wir noch einen Punkt gefunden, bei dem es eben auch egal sein kann, ob man tatsächlich nach dem Klick belohnt. Wenn der Hund so hoch motiviert ist und im "Suchmodus" trainiert, dann reicht vielleicht der Klick und weiterarbeiten und -suchen zu dürfen ist die größere Belohnung, als irgendein doofer Keks. Dessen sollte man sich als Trainer bewusst sein und dem Hund nicht unbedingt eine Belohnung aufzwingen. Letztlich entscheidet immer der Hund, was er als Belohnung empfindet und nicht, was man als Mensch meint, was ihn belohnt.

Für die, die trotzdem Faustregeln haben möchten und tatsächlich ist an Faustregeln ja nichts Schlimmes, wenn man sie nicht für der Weisheit letzter Schluss hält, dann kann man sich folgende Regeln überlegen:
  • Klicke und Belohne immer, wenn Dein Hund alles richtig gemacht hat und er eine Belohnung will.
  • Erhöhe lieber die Kriterien, als ständig das das selbe schon gekonnte Verhalten zu markieren.
  • Achte auf Deinen Hund: Will er ein Leckerchen? Will er spielen? Will er weiterarbeiten?
Hier noch ein Zitat aus einem Artikel von Patricia McConnell, dessen Lektüre der Anlass für diesen Post war:

Experimental research suggests that it is “seeking” rather than “liking” that best motivates an individual to learn. For example, Gadbois mentioned one of Panksepp’s studies in which cats were always given a reward when they touched one object, but only occasionally when they touched a second object. Guess which object the cats touched most? You got it, the second one. That is why Gadbois argues that clicker trainers should not give a treat every time they click. This all makes great sense to me until I think of chocolate, which I would much rather eat than anticipate eating, thank you very much.

Samstag, 26. Juli 2014

No dog left behind

Hunde beim Militär

Auch heute noch werden Hunde beim Militär eingesetzt. Sie erfüllen Aufgaben als Sprengstoffspür- und Wachhunde. Sie werden auch bei den Spezialkräften eingesetzt, um Zugriffsoperationen zu unterstützen. Bei der BBC habe ich gerade einen Bericht entdeckt "The military dogs left overseas", bei dem eine amerikanische Tier und Kinderschützerin,  Dr Robin Ganzer, von der American Humane Association von einer Kampagne berichtet, in der es darum geht, die Hundeveterane nach Hause zu bringen. Diese Hunde wären Helden und hätten es verdient zurück in die Heimat zu kommen und wieder in einer Familie leben zu dürfen. Sie hätten hunderte von Leben gerettet und man müsse das unbedingt für sie tun.

Der Moderator stellt dann zum Abschluss die Frage, ob es denn sein könnte, dass die Hunde deshalb nicht mit nach Hause genommen werden, weil sie schlicht zu gefährlich seien? Darauf hat Ganzer eine klare Antwort: "That is simply not true!", meint sie, dies sei einfach nicht wahr. Die Hunde seien derartig exzellent ausgebildet, dass da nichts passieren könne!

Sprenstoff-, Wach- und Zugriffshunde

Vermutlich hat sie da nur an die Sprengstoffhunde gedacht, oder vielleicht noch gerade an die Wachhunde, die womöglich lediglich mit einer Ausbildung, die nur Beute- und Spielmotivation nutzte, auf ihren Job vorbereitet wurden. Aber gerade bei Kriegshunden kann man es sich in der Ausbildung nicht leisten, wenn die Hunde unter Belastung versagen. In lebensbedrohlichen Situationen reicht aber eine Spielmotivation nicht aus, um das Erlernte zuverlässig abzurufen. Deshalb wird typischer Weise bei Diensthunden, die auch gegen Menschen eingesetzt werden, die Ausbildung auch mit Motivationen der defensiven und offensiven Aggression durchsetzt. Diese Motive "funktionieren" auch unter Stress und die Hunde hauen nicht einfach ab. Natürlich ist es Ziel und Hoffnung der Ausbilder, dass auch diese Hunde immer gehorchen und gesellschaftstauglich bleiben. Das ist auch das Bild, dass die Bundeswehr in ihrem Werbefilm "Kamerad auf 4 Pfoten" zeigen möchte. Ich bin auch sicher, dass das in einigen Fällen gelingt. Aber gibt es Garantien? Kann man behaupten, dass da nie eine Gefahr besteht?

Man muss sich klarmachen, dass Hunde die in der Motivationslage "Aggression" ausgebildet wurden, nicht wirklich immer kontrollier- und steuerbar sind. Sie müssen unter ständig unter Aufsicht bleiben und sollten sich nicht frei bewegen, da niemand garantieren kann, welche Signale bei ihnen, welche Reaktionen auslösen. Das "highly trained" hilft dabei nur, wenn tatsächlich auch jemand dabei ist, der das dann steuern kann. Im miltärischen Einsatz in Afghanistan oder sonst wo auf der Welt geht das sicher unter den Verhältnissen des Einsatzes. Aber in der Heimat im zivilen Umfeld, wenn die Situation viel weniger straff organisiert, strukturiert und kontrolliert ist, sieht das anders aus.

Pannen passieren

Man kann sich auf YouTube ein paar Filme anschauen, die zeigen, was da alles schief gehen kann, wenn die Emotionen hoch gehen. Im ersten "Pannen" Video sehen wir, wie auf einer Demonstration der Hund einer Hundeführerin zunächst die Demonstranten zurücktreibt, dann aber irrtümlich in einen Kollegen hineinhapst. Die Hundeführerin kann den Griff kaum lösen.


Im zweiten Beispiel sehen wir einen Ausschnitt aus einem Film, bei dem es sich anscheinend um eine französische Spezialeinheit handelt, die mit ihren Hunden den Zugriff in speziellen Situationen übt. Interessant, neben den beeindruckenden Leistungen der Hunde, ist insbesondere die Szene ab 0:40, wo der Hundeführer versucht den Hund vom "Täter" wegzunehmen und der Hund sich nun in dessen Hand verbeißt und sich ebenfalls kaum trennen lässt. Da ist viel zu viel Adrenalin im Spiel, als das Hörzeichen noch im Hundehirn ankommen würden.

Natürlich sind auch dies noch "Einsatzfehler". Aber sie lassen ahnen, dass die Steuerbarkeit Grenzen hat, die auch im zivilen Alltag überschritten werden könnten.

Helden sind sie doch

Es ist also wahrscheinlich doch nicht ganz so einfach, Hunde immer in die zivile Gesellschaft zu überführen. Vielleicht ist das einfach ein Ideal, das wir nicht immer erfüllen können. Man sollte das realistisch von Fall zu Fall entscheiden, meine ich. Dass man da durchaus für die Diensthunde ein wenig eingenommen sein sollte, scheint mir auch verständlich und nötig, wenn man schon die besondere Fähigkeiten der Hunde (aus-) nutzt, für ihre Menschen alles zu geben. Darum möchte ich zum Abschluss noch auf den "Held des Jahres: Idor" 2012 verweisen:
"Idors Partner war Robert Sedlatzek-Müller – Fallschirmjäger, Sprengstoffexperte, Hundeführer. Bis zum 6. März 2002: Nahe Kabul explodiert eine russische Flugabwehrrakete, Relikt eines vergangenen Krieges, die Sedlatzek-Müller und seine Kameraden entschärfen sollen. Zwei deutsche und drei dänische Soldaten sterben. „Idors Mensch“ bleibt äußerlich nahezu unverletzt.

Doch innerlich ist er nicht mehr derselbe: PTBS – Posttraumatische Belastungsstörung, eine schwere seelische Verwundung – lautet die Diagnose. Für den Soldaten beginnt ein langer Kampf gegen seine Erkrankung und gegen die Versorgungsbürokratie, den er in seinem Buch „Soldatenglück – Mein Leben nach dem Überleben“ beschreibt. Treu zu Seite steht ihm in diesem Kampf Idor: „Er war mein Therapeut, als es mir am dreckigsten ging“, sagt Sedlatzek-Müller in DOGS
."

Sonntag, 13. Juli 2014

Konditionierte Entspannung und Fußball

Konditionierte Entspannung auch beim Fußballweltmeisterschafts-Finale?

In der Hunde(schul)szene gibt es einige, die einen großen Aufwand treiben, um mit ihren Hunden ein Entspannungssignal zu üben Dabei werden entweder Dürfte oder aber meist ein langgezogenes monotones Singsangwort verwendet, um den Hund in einer aufregenden Situation entspannen zu können. Im Aufbau (Siehe Video und höre "Iiiiiihsssiiiiih") wird der bereits entspannte Hund mit dem Signal bekanntgemacht und soll dann später - in spannender Umgebung - seine Erregung herunterfahren können, wenn das Signal gegeben wird.

So was könnten heute beim Fußball-WM-Finale sicher sowohl Menschen, wie Hunde gebrauchen. Die Menschen, weil sie womöglich mitfiebern und die Hunde, weil sie die Erregung ihrer Menschen mitbekommen und wegen der Böller (Sorry für die Halter ängstlicher Hunde: Hoffentlich viele!) einiges ausstehen müssen. Aber funktioniert so was?

Wie man's nimmt. Natürlich gibt es Techniken, die helfen mit Stress umzugehen. Autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung kann dazu beitragen mit angespannten Situation besser umzugehen. Es gibt auch Techniken die über klassische Konditionierung arbeiten und durch die Verknüpfung (z.B.) eines Druckpunktes an der Hand mit einer entspannten Situation eine gewisse Milderung der eigenen Aufregung herbeiführen. Allerdings funktionieren die nur, wenn die Konditionierung gut ist, häufig aufgefrischt wird und nicht übermäßig genutzt wird. In Situationen, in denen die erregenden Reize ständig neu auftreten und kein gleichmäßiges Niveau haben, können sie nicht (mehr) funktionieren.

Meines Erachtens lohnt sich daher diese Form des Trainings in den meisten Fällen nicht. Der Aufwand überwiegt den Nutzen. Meist ist es besser den Hund (oder sich selbst) zu lehren, mit der stressigen Situation umzugehen. Auch das ist nicht einfach und funktioniert nicht immer, passt aber besser zur Realität. Stress gehört da zum Alltag. Wer Fußball schaut, möchte sich aufregen. Das gehört dazu!

 

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Einsatz von Elektroreizgeräten im Hundesport

Einsatz von Elektroreizgeräten im Hundesport

Elektoreizgeräte (auch Tacker genannt) werden leider immer noch im Hundesport benutzt, obwohl ihre Verwendung seid Jahren nicht mehr gestattet ist. Besonders verbreitet ist diese Trainingsmethode im Bereich des Schutzhundesports (Ich schreibe bewusst "Schutzhundesport", s.u. [1]). Dort zieht man die ethischen Grenzen, was Menschen mit ihren Tieren zum Zwecke eines Hobbys tun dürfen, anders als ich das tue. Das hat die Tierschutzorganisation "PETA" in diesem Jahr zeigen können. Nicht alles was PETA macht, empfinde ich als rational und begrüßenswert, aber hier finde ich es ziemlich gut, dass sie heimlich auf den Plätzen gefilmt haben, um die Verlogenheit der Sportler zu zeigen, die wider besseren Wissens immer noch in der Ausbildung auf diese Geräte [2] setzen.

 


Der belgische Hundetrainer und Elektroreizstromexperte Bart Bellon wollte sich Rechtssicherheit vor Gericht erstreiten, damit er auf Seminaren, die Handhabung dieser Geräte zeigen kann. Da das Tierschutzgesetz (§3, 11) den Einsatz von Elektrogeräten eigentlich ausschließt, wollte er sich seine Sachkunde bestätigen lassen, die dazu führen sollte, dass das TSchG nicht zur Anwendung käme. Dem hat das Bundesverwaltungsgericht im Jahre 2004 deutlich und abschließend widersprochen und den Einsatz der Geräte verboten:
"Es handelt sich zunächst fraglos um Geräte mit direkter Stromeinwirkung auf ein Tier. Auch wird das artgemäße Verhalten des Hundes, insbesondere seine Bewegung erheblich eingeschränkt. Ziel der Verwendung ist es gerade, über einen Zugriff auf den Hund selbst über größere Entfernungen unerwünschte Bewegungen wie Weglaufen oder Jagen zu unterbinden und erwünschte Bewegungen wie etwa Herkommen oder dergleichen zu erreichen. Vor diesem Hintergrund sind die Ausführungen des Klägers, dass bei Verwendung eines Elektroreizgerätes mehr Bewegungsfreiheit gewährleistet sei als bei Verwendung einer Leine, nicht geeignet, das Vorliegen dieser Tatbestandsvoraussetzung zu verneinen."
In dem Hundesport (Obedience), den ich ausübe , kommt man definitiv ohne solche Methoden aus. In meinem Verein, dem GHSV Ahrensburg, sind in allen Sportarten weder Elektroreizgeräte, Stachelhalsbänder, Würger noch Leinenrucke gestattet. In der Ausbildung sind die Hunde fast durchgehend ohne Leine, sobald sie abruf- und kontrollierbar sind. Gestattete Hilfsmittel sind Futter, Spielzeug und Stimme. Okay, ein verbales "Nein!" gehört - selten - auch zum Training, aber ein "Nein!" muss ein Hund ohnehin verstehen. Auch unter diesem Bedingungen gelingt es uns sehr erfolgreich Hundesport zu betreiben und auch wenn man vielleicht etwas vorsichtig mit der Zuschreibung solcher Gefühlslagen zu Tieren sein sollte, so bin ich doch der festen Überzeugung, dass die Hunde bei uns auf dem Platz Spaß und Freude erleben. Wer mag, kann sich jederzeit mit eigenen Augen davon überzeugen.

Wir machen allerdings keinen "Schutzdienst" bei uns, sondern nur die modernen Sportarten Agility und Obedience, dazu Turnierhundesport und die recht jungen Hundesportarten Flyball und Rally-Obedience. Der "Schutzdienst" wirkt aus der Zeit gefallen. Den Hund Menschen stellen, verbellen und an der Flucht hindern zu lassen, wirkt so antiquiert und obrigkeitsstaatlich, dass er in eine zivilen Gesellschaft nicht wirklich hinein passt. Okay, auch Menschen betreiben Kampfsport, ohne deswegen gleich aggressiver oder unziviler sein zu müssen. Es gibt solchen und solchen Kampfsport. Ähnliche Unterschiede gibt es auch beim Schutzhundsport. Auch der lässt sich sicher so ausbilden, dass er keine tierschutzrelevanten Mittel benötigt und das tun auch sicher viele.

Die Hundesportvereine befinden sich im Umbruch. Die "klassischen" Vereine, die ausschließlich auf den Schutzdienst setzen, verlieren mehr und mehr Mitglieder. Die Vereine, die sich zu öffnen versuchen, müssen öfter Konflikte aushalten, weil die einzelnen Sparten um Ressourcen streiten und auch Mentalitätsunterschiede aufweisen. Dennoch sind in den Hundesportverbänden noch vielfach die Vertreter des Schutzdienst in wichtigen Positionen zu finden. Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich auch da die Vertreter der anderen Disziplinen ausreichend zu finden sind. Die Halbwertzeit der Funktionäre ist erstaunlich lang. Nein, eigentlich ist es nicht erstaunlich, da ehrenamtliche Tätigkeit im Kern von "Überzeugungstätern" geleistet wird und da gibt es nicht so viele Menschen, die das auf sich nehmen.

Die evolutionäre Änderung der Hundesportverbände kann sich beschleunigen, wenn der Selektionsdruck von Außen erhöht wird. Dazu können die PETA-Ermittlungen beitragen. Ich hätte mir gewünscht, dass sie etwas ausführlicher und deutlicher dokumentiert sind. Leider wurde anscheinend auch nur der SV, der Verein für Deutsche Schäferhunde, unter die Lupe genommen. Der ist aber nicht der einzige Verband, der Schutzhundesport betreibt. Auch in anderen Verbände dürften diese Trainingsmethoden verbreitet sein.

Der Verein für Deutsche Schäferhunde wurde am 12.09.2013 mit den PETA-Ermittlungen konfrontiert und auf der Seite "Aktuelles" findet sich ein weiter unten eine Mitteilung dazu:

"Der Verein für Deutsche Schäferhunde (SV) e.V. wurde im Laufe des heutigen Tages mit einer Veröffentlichung von Videoaufnahmen konfrontiert, die über die Tierschutzorganisation peta im Internet vorgestellt wurden.
Die Videosequenzen, mit Aufnahmedaten von Juli und August 2013, zeigen u.a. Teilnehmer der diesjährigen SV-Bundessiegerprüfung  in Trainingssituationen und erheben den Vorwurf des Einsatzes und der Verwendung von E-Geräten.
Diese Vorwürfe werden seitens des Vereins sehr ernst genommen. Unmittelbar nach der Veröffentlichung wurde mit der Aufklärung der Sachverhalte begonnen.
Der Verein stellt unmissverständlich fest, dass der Einsatz von E-Geräten mit der Satzung, dem Tierschutz  und den sportlichen Zielen unvereinbar ist. 
In der Sache wurden folgenden Entscheidungen getroffen:  
  1. Um eine lückenlose Aufklärung zu gewährleisten wird gegen jeden Betroffenen ein vereinsinternes Ordnungsverfahren eingeleitet und durchgeführt.
  2. Die Tierschutzorganisation peta wird gebeten, sämtliches zur Aufklärung dienliches Videomaterial zur Verfügung zu stellen.
  3. Hinsichtlich der angekündigten Strafanzeigen sichert der Verein schon heute eine vollumfängliche Unterstützung der Ermittlungen an.
  4. Sollten sich die Vorwürfe als begründet erweisen, so erfolgt eine rückwirkende Disqualifikation einhergehend mit der Aberkennung der erreichten Platzierung.
  5. Seitens der betroffenen Teilnehmer wurde eine Ehrenerklärung abgegeben, die beinhaltet, dass auf dem gezeigten Videomaterial kein E-Gerät benutzt wurde.
  6. Die betroffenen Personen stimmen dieser Entscheidung vollumfänglich zu.
  7. Im Rahmen der Auslosung wurde diese Entscheidung durch den SV-Bundespressesprecher öffentlich gemacht."
Besonders Punkt 5 ist spannend. Er deutet schon die typische Verteidigungsstrategie an: Es wurde ja kein Elektroreizgerät benutzt, es wurde nur so ein Gerät in der Hand gehalten. Soll doch erst mal bewiesen werden, dass die (a) funktionsfähig waren und (b) auch benutzt wurden. Besitzen und in der Hand halten ist ja nicht verboten...

Angesichts dieser Ausreden ist die Stellungnahme des SV windelweich.


[1] Der Schutzhundesport hat im Laufe seiner Geschichte häufige Umbenennungen erfahren. Ursprünglich wurden sämtliche Teildisziplinen, wie Fährten, Unterordnung und Schutzdienst unter dem Namen Gebrauchshundesport zusammengefasst. Dann hieß das Ganze Schutzhundesport, dann wurde es in Vielseitigkeitsprüfung (VPG) und nun vor kurzem wieder in Gebrauchshundsport umbenannt.

[2] Für Stachelhalsbänder und andere schmerzufügende Halsungen und Ausbildungshilfen gibt es kein so explizites Verbot, wie für Elektroreizstromgeräte. Sie sind aber mindestens so gegeignet, das artgemäße Verhalten des Hundes, insbesondere seine Bewegung erheblich einzuschränken.

Freitag, 1. November 2013

"Links wedeln" heißt: Der macht keinen Stress!

Wer hätte das gedacht: Hunde haben eine Wedelrichtung! Naiv denkend, würde man meinen, dass das was in die eine Richtung schwingt, auch notwendig in die andere Richtung schwingen muss. Natürlich ist das auch so, allerdings kann ja die Rute an der Wurzel ein wenig nach links oder rechts abgewinkelt sein, so dass - von vorne betrachtet - von der Rute nur auf einer Seite etwas zu sehen ist.
Abb 1: Wedel "Richtungen"!

Der Hund wedelt also nicht nur in eine Richtung, sondern die Rute hält sich bei einem Rechtswedler  (vom Hund gesehen) hauptsächlich im rechten Quadranten auf.

Forscher spekulieren viel über unterschiedliche Funktionen der beiden Hirnhälften über die Säugetiere verfügen. Eine Hypothese ist, dass unterschiedliche emotionale Zustände sich auch in verschiedenen Hirnhälften abspielen. Beweisen können hat man das noch nicht. Aber man folgt auch indirekten Spuren. Die italienischen Forscher Marcello Siniscalchi, Rita Lusito, Giorgio Vallortigara und Angelo Quaranta haben sich einen trickreichen Versuch ausgedacht [1], um etwas über die Relevanz von "Seitigkeit" herauszubekommen. Da es äußerst schwer ist direkte Auswirkungen einer (aktuell) dominierenden Hirnhälfte herauszubekommen, haben sie ganz spezielle Messgeräte benutzt. Nämlich andere Hunde!

Die Hypothese der Forscher geht nun so:
  1. Bestimmte Gefühle "befinden" sich hauptsächlich in einer Gehirnhälfte
  2. Ist eine Hirnhälfte aktiv, äußert sich das in bestimmten Verhaltensunterschieden
  3. Ist die Emotion für andere Hunde "relevant", so reagieren andere Hunde auf die veränderte Verhaltensweise.
  4. Die Reaktion fremder Hunde lässt sich messen.
Abb 2: Reaktionen anderer Hunde
Im wesentlichen haben also die Forscher Hunden Videos von Silhouetten wedelnder Hunde gezeigt und dann die Reaktionen der Hund in Bezug auf Stress (Herzfrequenz) gemessen und gleichzeitig die Hunde von erfahrenen Hundetrainern beobachten lassen, wie die die Reaktion einschätzen. Entsprechend wurden dann die Hunde in drei "emotianale" Kategorien eingeteilt. Waren die Hunde entspannt/neutral, gestresst/ängstlich oder alarmiert und fokussierend?

Untersucht wurden insgesamt 43 Hunde (8 zur Eichung bzgl. anderer Stimuli) und die Forscher glaubten feststellen zu können, dass die Hunde bei Linkswedlern mit mehr Stress reagieren [2]. Wedeln Hunde mehr in Richtung links, so könnte das Bedeuten, dass die Hunde damit einen Rückzug ankündigen und damit ihr Unwohlsein kund tun, worauf wiederum die beobachtenden Hunde mit Stress reagieren. Da es Hinweise gibt, dass in der rechten Hirnhälfte Zentren für defensives Verhalten liegen, könnte also Linkswedeln ein Ausdrucksverhalten für mit defensivem Verhalten verknüpften Emotionen sein.


Ob nun die Anzahl von 35 Hunden schon aussagekräftig genug ist? Ich denke, ich werde einfach 'mal ein wenig intensiver darauf achten und meine eigene Statistik führen. Kann ja nicht schaden!


[1] http://www.cell.com/current-biology/abstract/S0960-9822%2813%2901143-3
[2] http://download.cell.com/current-biology/pdf/PIIS0960982213011433.pdf

Sonntag, 29. September 2013

Nach Jahren endlich das "V" in der Klasse 2!

Das war unsere beste Prüfung, die wir je gelaufen sind und sie endete endlich mit einem "V", also der höchsten Wertungsnote vorzüglich die es im Obedience gibt und wir haben damit die Qualifikation für die höchste Obedience-Klasse. Es war ein langer Weg, mit unglaublich viel Auf und Ab. Da ist es Zeit, ein kleines Fazit zu ziehen.

Klara, die Harzer Füchsin, kam im Alter von 2 Jahren zu uns. Sie hatte zuvor jeweils ein Jahr bei einem anderen Halter verbracht, bevor diese entnervt aufgaben und sie weiter reichten. Über eine Pflegestelle, die sich zum Glück mit Füchsen aus kannte (Danke, Dagmar!), kam Klara dann zu mir. Sie war übergewichtig und wog 24kg (heute 17kg). Schick war sie trotzdem, mit dem Charme einer kernigen Dame vom Lande!
Klara bei der Pflegestelle, 2 Jahre alt


Nach unserem spanischen Husky, hatte ich vor, 'mal zu sehen, wie weit man mit einem Hund kommt, der nicht so sanft und zurückgezogen ist. Man möchte ja gerne dazu lernen. Und das habe ich! So lieb und nett man zu Zafira sein muss, so wenig darf man bei Klara auf klare Ansagen verzichten. Das ist mir nicht leicht gefallen zu lernen, da ich es ja eigentlich am liebsten "nett" habe. Aber es geht. Wichtiger als "nett" ist "fair". Das habe ich zwar auch schon vorher gewusst, aber etwas bloß theoretisch zu wissen, als es dann entsprechend praktisch umzusetzen, ist doch noch eine andere Sache.

Hundesportlich habe ich mit Klara dann auf der grünen Wiese angefangen. Sie sollte mittels Klicker und zwang- und stresslos ausgebildet werden. Ich hatte wenig Anleitung und musste zwangsläufig Fehler machen. Heute weiß ich, dass ein wenig mehr "Stress" für sie schon von Anfang an besser gewesen wäre. So war es dann für uns beide später anstrengender.

Es lies sich auch alles wunderbar an. Klara lernte rasend schnell und ich konnte bald die Begleithundeprüfung mit ihr ablegen. Im Nachhinein weiß ich, dass schon da einige der Dinge zu sehen waren, die mir später viel Mühe bereitet haben. Aber ich war nicht so weit, das zu erkennen. Damals sah alles einfach nur super aus. Nach der bestandenen BH ging es ein paar Wochen später gleich in die erste Obedience-Prüfung und wir bestanden an einem Wochenende am Samstag die Beginner-Klasse und am Sonntag die Klasse 1 mit vorzüglich und hatten die Qualifikation für die Klasse 2. Da konnte es nur ein Klacks sein, bis wir auch in die Klasse 3 aufstiegen. Oder?

Klara in der Fußarbeit der Beginner-Klasse
Nach diesem Erfolg war erst mal Pause, da es ja nun einige neue Übungen aufzutrainieren galt, die wir noch nicht konnten. Das machte auch viel Spaß über Trainingskonzepte und -aufbau nachzudenken und das Training mit Klara machte auch sehr viel Freude. Irgendwann dachte ich dann, wir seien so weit zu einer Prüfung anzutreten und auch hier hätten wir uns fast in die Klasse 3 gemogelt. Die Prüfung lief teilweise schön, aber in anderen Übungen eher unterdurchschnittlich. Wir verpassten das "V" wegen dummer Fehler des Hundeführers während der Prüfung. Bei der nächsten Prüfung (in Lübeck) hätte es dann klappen sollen. Hat es aber nicht. Diese nächste Prüfung war so schlimm und Klara zeigte sich so irritiert und verwirrt, dass ich kurz davor war, den Sport aufzugeben. Aber ich habe nicht aufgegeben. Es musste doch möglich sein, nicht nur bloßes Techniktraining zu machen, sondern dem Hund auch die Sicherheit zu geben, dass er auch in der Prüfung zeigen kann, dass es cool ist Obedience zu machen!

Also legt ich in 2012 viel Wert auf freudvolles Arbeiten und viel Spaß für den Hund und streute nur gelegentlich eine Prüfung ein, um zu sehen, wie der Stand ist. Das war alles nicht so schlimm, wie auf der Lübecker-Prüfung, aber eben auch nicht wirklich prickelnd. Manche Übung waren toll, andere wiederum unter aller Sau. Klara war mit ihren Gedanken oft woanders und ich hatte große Mühe, sie davon abzuhalten andere Dinge zu tun, als Obedience zu machen. Nicht, dass sie besonders beeindruckt war, wie das oft der Fall ist. Nein. Sie hatte "bessere" Dinge zu tun. Man konnte doch 'mal das Richterzelt untersuchen, oder schauen wie das mit den Sandsäcken an den Lautsprecherboxen so funktioniert. Hatte da nicht der nette Ringsteward sie angelächelt?

Obedience? Da hinten ist doch auch was los!
Die Diagnose war, dass es nicht spannend genug war. Also haben wir im Training noch 'mal an der Motivationsschraube gedreht. Noch mehr Spiel, noch besseres Futter und das funktioniert auch wunderschön:


Wie kriegt man das in eine Prüfung? Der Durchbruch kam jetzt zum Ende des Jahres. Ich hatte mir vorgenommen, auf Tipp eines befreundeten Trainers (Danke, Axel!) mehr Emotionen in die Prüfung zu nehmen. Die hatte ich bislang immer versucht herauszuhalten, weil Klara Lob oft so verstanden hat, dass sie nun machen dürfe, was sie wolle. Und "machen was sie will" ist ohnehin ihr Hobby. Dennoch war es einfach Zeit, das 'mal wieder auszuprobieren und so hatte ich mir die strikte Devise erteilt zu lächeln in der Prüfung und Klara nach jeder Übung zu loben. Das Loben musste natürlich passiv sein und ich musste dabei von ihr (rückwärts) weggehen. Das hat aber funktioniert! Sie hat es nicht als Signal verstanden ihr Ding zu machen. Sie blieb bei mir! Der Durchbruch!

Schon in Wasbek am 22.09 hat es so funktioniert, dass wir nur deshalb das "V" verpasst haben, weil sie sich in der Absitzen-Übungen hinlegen musste. Eine Woche später war es dann noch 'mal in allen Übungen (bis auf den Richtungsapport) besser! Klara hatte Spaß in der Prüfung, war bei mir und das Vorzüglich war mit 286 auch ziemlich deutlich.


Ob wir jetzt in der Klasse 3 ebenso toll weiterlaufen, kann sein, muss aber nicht. Das werden wir auf uns zukommen lassen. Eines der wichtigsten Ziele, die ich mit Klara hatte, ist erreicht. Mal sehen, was da noch so geht. Jetzt kommt die Kür!

Hier das Video der Prüfung aus Todtglüsingen vom 18.09.2013:


Ja, und wer hinschaut, der sieht natürlich, dass Klara immer noch Klara ist. Man nehme nur ihr Vorrücken bei der Distanzkontrolle oder das sie sich noch 'mal Kneifen muss in der Ablage beim Abrufen mit Steh. Es gibt also noch viel, viel zu tun. ;-)

Obedience PO 2022: Positionen aus der Bewegung innerhalb der Freifolge

Einleitung Letztens hatte ich mich schon mal mit der neuen Übung "Positionen aus der Bewegung" (PadB) der Klasse 3 beschäftigt. ...